La visite virtuelle

Die Abteikirche

Die Kirche gibt den übrigen Gebäuden, die um die Kirche herum gebaut sind, ihren vollen Sinn.

Sie ist der Sammelpunkt der monastischen Gemeinschaft, die dort zu bestimmten Tageszeiten zum Gebet zusammenkommt. Am Morgen sind es die Laudes, das erste Lobgebet des Tages; mittags, die Eucharistie, die die Christen um das Wort Gottes und den Leib und das Blut Christi vereint; am Abend, die Vesper; später abends beschliessen das Offizium der Vigilien und die Komplet das tägliche Gebet der Gemeinschaft.

Für die Zelebration der Gebetszeiten sind zwei Orte vorgesehen : die Krypta, unter der Woche und im Winter; die Kirche, an jedem Sonntag, an den Festtagen und im Sommer. Die Kirche steht allen offen, die vorbeikommen, Pilgern, Touristen, Gläubigen und Nichtgläubigen. Sie möchte ein Ort sein, wo die Menschen sich Zeit nehmen können, um zu beten -allein oder mit den Mönchen-, um nachzudenken und sich in Frieden zu fühlen. Die Kirche ist Wallfahrtsort zum heiligen Benedikt. Alle, die sich vertrauensvoll an den heiligen Benedikt wenden, heißt sie willkommen. Aus diesen Gründen werden alle Besucher gebeten dort ein respektvolles Verhalten zu zeigen, nicht allein Gott gegenüber, sondern auch all denen gegenüber, die sich dort sammeln und beten wollen.

Ein neugotischer Komplex (1880-1900)

Was sich heute den Augen des Besuchers bietet ist nicht mehr das, was Architekt und Dekorateur vor einem Jahrhundert gewollt und ausgeführt haben. Es fehlt die Farbe, denn die neo-gotische Kunst war in allen ihren Ausdrücksformen vor allem polychrom. Sie wollte, mit dem Ideal einer allgegenwärtigen Schönheit, einen starken Eindruck auf die Vorstellungskraft der Gläubigen erwecken, sie ausserhalb unserer Zeit in die Welt Gottes und seiner Heiligen führen. Alle Kunstarten waren aufgerufen, an der Verwircklichung dieses schimmernden, glänzenden, funkelnden Ganzen, mitzuarbeiten.


Der Umbau

Um 1955-1958 wurde eine grundsätzliche Umgestaltung der Kirche vorgenommen. Die neuen pastoralen Bemühungen empfahl eine aktivere Beteiligung der Gläubigen an der Liturgie. Der Hauptaltar wurde von der Apsis in das Karré des Transseptums übertragen, auf eine grosse Plattform, die das Kirchenschiff beherrscht. Gleichzeitig wurde die Statue des heiligen Benedikt, der zunächst im nördlichen (linken) Transeptum verehrt wurde, unter den Südturm am Eingang überführt. Um die neue Form der Liturgie zu verwirklichen und im Geiste der Einfach- und Nüchternheit, werden die neogotischen Verzierungen mit Ausnahme der Fenster abgeschafft. So erscheint die Abteikirche heute, nach der Umgestaltung, als ein Kompromiss zwischen einem neugotischen Bauwerk und dem Versuch den Bau einem neuen Schönheitsempfinden und einer neuen Liturgieform anzupassen.


Die heutige Kirche

Die Abteikirche bleibt eines der schönsten Beispiele neogotischer Architektur, nüchtern und steng. Ein langes Kirchenschiff mit 8 Gewölbejochen (im ganzen 80 Meter) ist durch ein Querschiff in zwei gleiche Abschnitte geteilt. Das vordere Hauptschiff, vom Eingang bis zum Querschiff, ist für die Gläubigen bestimmt, darüber hinaus, erhoben, der Mönchschor.

In der Vertikale findet man zwei Etagen: eine große Arkadenkonstruktion, überragt von einer weißen Mauer (früher mit Fresken bedeckt), und hohe Spitzbogenfenster. Von der Fassadenseite fällt das Licht durch drei schmale Lanzettenbögen. An der anderen Kirchenseite und an den Armen des Querschiffes drei weitere lanzettenförmige Fenster überragt durch jeweils eine Rosette. All das erinnert an den Chor und das Querschiff von Laon (XII. Jahrhundert) In den Seitenkappellen Dreifachfenster. Das gebrochene Tonnengewölbe des Hauptschiffes, des Querschiffes und des Chores ist aus Holz und stellt einen nachtblauen, mit goldenen Sternen gesprenkelten Himmel vor. Das Gewölbe des Chores ist mit bezaubernd dargestellten Engelsbüsten verziert. Das Gewölbe der Seitenschiffeist spitzbogig.

Die Kirchenfenster

Die Kirchenfenster des Chores, des Querschiffes und der Fassade wurden von den Mönchen und Béthune entworfen und ausgeführt. Die der Seitenkapellen stellen heiligen Patrone der verschiedenen Spender dar. Das Rosttenfenster am Ende des Chores stellt den Chor der Engel dar und in dessen Mitte, den Heilige Geiste als Taube, der von den 12 Aposteln an Pfingsten empfangen wird, und die Verherrlichung der Apostel, Träger des Evangeliums in die ganze Welt hinein. Im nördlichen Querschiff (links): Verehrung Christi im heiligen Sakrament. Die Dreifachfenster und die Rosette nehmen die Themen auf, die an die Eucharistie gebunden sind. Im südlichen Querschiff : die heilige Jungfrau wird in der hingebenden Frömmigkeit des Rosenkranzes gepriesen, der die Geheimnisse der Gottesmutter bedenkt. Die Fassadenfenster stellen die Gründer der großen religiösen Orden dar.


Das Grab von Dom Marmion

In der zweiten linken Seitenkapelle , befindet sich das Grab des ehrwürdigen Dom Marmion, dritter Abt von Maredsous (1909-1923), der am 3. September dieses Jahres von Papst Johannes-Paul II selig gesprochen werden wird.